Braucht jeder Club sein eigenes Manifest? Sicherlich nicht. Aber bist Du nicht auch der Meinung, dass eine Weiterentwicklung nur dann stattfinden kann, wenn man sich seiner Vergangenheit bewusst wird?
Gerade eben kam, wie der Zufall es so will, eine E-Mail reingeflattert, deren Anhang sich als wahres Geschenk erweisen sollte: der 120-minütige Mittschnitt der B-Sides-Radioshow, bei der wir anlässlich unserer großen Jubiläumsfeierlichkeiten im Februar letzten Jahres zu Gast waren. Und eigentlich wollten wir nur schnell einen kurzen Blogeintrag schreiben und die Mittschnitte hier veröffentlichen, als wir plötzlich ins Grübeln kamen.
Du musst wissen, dass uns im Januar regelmäßig die Themen Vergangenheit und Zukunft beschäftigen — nicht ohne Grund, wir wollen es gleich erklären. Allerdings ist das gar nicht so leicht … aber gut, wagen wir einen Versuch.
Jedes Jahr im Februar feiert „bag of goodies“ Geburtstag — dieses Jahr zum siebzehnten Male. Natürlich wissen wir, was für Musik uns in den letzten 17 Jahren gefallen hat, welche Ideen und Projekte wir uns ausgesponnen haben und natürlich wissen wir auch, zu was wir in den letzten 17 Jahren getanzt haben. Dabei hatten wir immer eine ziemlich klare Vorstellung von dem, was wir machen wollten und warum wir es genau so machen wollten. Das jetzt aber in konkrete, schlüssige Worte zu fassen — damit haben wir uns bislang immer etwas schwer getan. Erst recht, wenn der Februar und somit ein weiteres Jubiläum unaufhaltsam angerauscht kam und damit auch die üblichen Pressegeschichten, Kondolenzen, Interviews und Fragen. So auch ganz aktuell.
Beim nochmaligen Anhören der Radiomitschnitte reifte dann schließlich ein klares Bild: wir sind nie ausgegangen, weil wir gesehen werden oder einfach nur unter Leuten sein wollten. Sicherlich spielten unsere Leidenschaft für bestimmte Musik und die DJs, die diese Musik spielten, eine nicht unbedeutende Rolle. Aber da ist noch mehr, etwas das wir erst vor kurzem klar erkannt haben.
Wir sehnen uns stets nach diesem Gefühl, dass ein wirklich grandioser Clubabend hinterlässt. Jenes „glücklich sein“, dass einen auch noch am darauffolgenden Nachmittag positiv erschöpft sein und wohlig schmunzeln lässt. Das ist der eigentliche Grund, warum wir auch heute noch so gerne die Nacht zum Tag machen und in den Clubs dieser Welt tanzen (und auflegen) gehen: um uns selbst zu feiern - losgelöst von Problemen, falschen Begierden und den Erwartungen der anderen.
Und nun viel Spaß beim Anhören unserer Geschichte.
Es ist die Zeit der Jahresrückblicke, der Top-Ten-Listen und der Vorausblicke auf's neue Jahr. Wir wollen uns da gar nicht groß beteiligen, vielmehr greifen wir aktiv ins Geschehen ein.
Wohlan, wir beenden das alte Jahr so, wie wir das neue Jahr beginnen werden: mit einem Gastspiel.
Heute Abend steht Bobby Mhark zusammen mit den Heartbeat-Jungs hinter den Turntables unserer alten Wirkungsstätte, dem Jazzkeller. Was die Erwartungen für diesen Abend betrifft, brauchen wir uns nichts vormachen: soulige Grooves, krachende Housetracks und eine ausgelassene Stimmung.
In der ersten Januarwoche, geht es dann gleich weiter und zwar nach Freiburg. Rainer Trüby hat uns zu einem seiner „Beats & Öxle„-Abenden eingeladen. Rare Grooves, Disco und soulful House steht auf dem Programm, feiner Wein und leckere Speisen ebenso.
Am 6.1. aber haben wir dan eine ganz besondere Überraschung für die Tübinger Cocktailliebhaber. Mehr dazu im neuen Jahr.
The music is just like Detroit, a complete mistake. It’s like George Clinton and Kraftwerk are stuck in an elevator with only a sequencer to keep them company.Derrick May, liner-notes zur Compilation „Techno! The New Dance Sound of Detroit“
Unsere Newsletter-Leser wissen bereits Bescheid. Über den desolaten Zustand Detroits, die soziale Schieflage der einstigen Vorzeigestadt der Vereinigten Staaten, aber auch über das enorme künstlerische Potential, dass unter der Hoffnungslosigkeit brodelt.
Das war natürlich auch schon zu Boom-Zeiten so, als Motown nicht nur einen Hit nach dem anderen produzierte, sondern auch eine gewaltige Ladung kreativer Energie und künstlerischer Talente freisetzte. Auf den Mitte der sechziger Jahre einsetzenden industriellen Niedergang folgte die kulturelle Tristess. Die Szene verzog sich in den Untergrund, wo sie sich - frei von allen Zwängen - intensiv dem technologischen Fortschritt in Form von Synthesizern, Sequencern und Samplern widmete.
George Clintons Space-Funk-Mutationen und Kraftwerks Vorwegname des computerisierten Beats waren das erste Zeichen zum Aufbruch. Die Herren Atkins, May und Saunderson vollzogen den Lift-Off. Mit ihnen fand Detroit erneut seinen Platz auf der musikalischen Landkarte.
In genau 55 Tagen wird sich auch in Detroit das Kalenderblatt ein weiteres Mal wenden und uns alle ohne großes Wenn und Aber ins Jahr 2012 versetzen.
Vorher aber, in genau 11 Tagen, werden wir Detroit zu Besuch bei bag of goodies haben und darauf sollte man entsprechend vorbereitet sein. Denn in wohl kaum einer anderen Stadt verbanden sich elektronische (um nicht zu sagen: technologische) Zukunftsforschung und (musikalische) Vergangenheit so sehr, wie in Detroit.
Ist Detroit wirklich die Techno Hochburg schlecht hin? Tut sich da musikalisch nicht noch ganz was anderes? Oder ist es womöglich wirklich so, wie Moodymann immer behauptet: Detroit ist heutzutage wieder genauso tot, wie in den Siebzigern?
Du sagst, Detroit wäre ein undurchsichtiger Dschungel aus Mythos, Künstlerpseudonymen und Kult? Wir sehen das genauso, weshalb wir uns vorgenommen haben, ein wenig Licht in dieses Dickicht zu bringen.
Was liegt da näher, als sich dem Informationsdschungel namens Internet zu bedienen. Das Internet hat schließlich immer recht, also setzen wir es doch mal auf den Prüfstein.
Resident Advisors Dokureihe blickt hinter die Kulissen. Nach einer kurzer Einführung in die Historie Detroits, beschreiben aktuelle Produzenten, DJs und Aktivisten, was wirklich Sache ist.
In Ausgabe Nr. 45 widmet sich Wax Poetics u.a. Detroit. In einem ausführlichen Artikel beleuchtet Andy Thomas die Enstehung und Hintergründe von Detroit Techno.
Todd Sines, schrieb im Daily Swarm nicht nur über seine Erlebnisse im Detroit der 90er, sondern brache auch gleich noch eine ganze Menge an Fotos aus der damaligen Zeit mit ein. Carl Craig, Daniel Bell, Claude Young … so sahen die Protagonisten damals aus. Weitere Photos gibt es auf seiner Facebook-Seite zu sehen.
Flickr User SEEKOH hat Stuart Cosgroves Artikel „Seventh City Techno“ hochgeladen. In diesem 1987 für das britische Musikmagazin „The Face“ geschriebenen Bericht über Detroit und dessen neue „Dance Music Scene“, benennt Juan Atkins seine Musik zum ersten mal Techno.
Diese recht kurze Dokumentation von 1990 hat nicht nur einen hervorragenden Sountrack, sondern lässt auch diverse Ikonen zu Wort kommen. Das schöne an diesem Video ist, dass es all die Stars von heute in ihren jungen Jahren zeigt. Neben Terrence Parker, Juan Atkins, Ritchie Hawtin, Derrick May, Kevin Saunderson, Carl Craig, Rolando und vielen anderen, kommt übrigens auch Mike Huckaby zu Wort, den Ihr dann ja am 18.11. live im Mancuso erleben könnt.
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Wie? … Du wunderst Dich, warum es nun doch noch einen weiteren „bag of goodies“-Abend im Mancuso gibt? … Wo wir doch im Juni noch geschrieben haben, dass das Mancuso im August schließen muss.
Nun, manchmal passieren in der Politik eben doch Wunder und so hat das Mancuso das bekommen, was sich die Atomlobby sehnlichst wünscht — eine Laufzeitverlängerung.
Wie? … Du hast es bemerkt? … Richtig, es wird einen weiteren „bag of goodies“-Abend geben. Another Dub Disco Disaster. Recht bald sogar.

Wow, was für ein Abend, quatsch, was für eine Nacht!
Neun Uhr war es, als wir das ://about blank mit einem erschöpften, aber fröhlichen Grinsen im Gesicht verließen. Keine Frage, die Akteure des Abends haben als geschulte Meister ihres Faches die Tanzfläche mehrfach in Ausnahmezustand versetzen und Besucherinnen und Besucher mit siedendheisen Housetracks und Discotunes der alten Schule zum Schwitzen und Kreischen gebracht. Nochmals herzlichen Dank an Finn, Gerd und ND und natürlich auch an das Berliner Publikum.
Wir genießen jetzt erstmal den Großstadt-Kaffee, bevor wir uns zu weiteren Schandtaten aufmachen.

bag of goodies ist ein Clubabend, der von den beiden in Tübingen wohnhaften DJs Emanuela De Luca und Marc Bohlmann veranstaltet wird. Natürlich gibt es noch mehr über bag of goodies zu sagen.
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17 Jahre boogie, bass & ... 909
» Mancuso, Tübingen » 22:00
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