04. April 2006

19:09 » Sind Plattenkritiken eigentlich sinnvoll?

Gerade eben im Kiosk vor dem Regal mit Musikzeitschriften gestanden und die neue Jazzthing durchgeblättert — besser gesagt Michael Rüttens Kolumne jazz not jazz. Auf dem Nachhauseweg sind wir dann gedanklich wieder einmal auf ein uns immer wieder beschäftigendes Thema gestoßen: Plattenkritiken und deren Nutzen.

Wegen zwei Seiten jazz not jazz gleich die ganze Jazzthing zu kaufen, war uns schon immer etwas zu wider, obwohl wir Michaels Kolumne sehr gerne lesen. Das gleich gilt übrigens auch für die Spex, die mit Holger Kleins Swing auftrumpft, als Heft an sich uns aber überhaupt nicht mehr anspricht. Und überhaupt: irgendwie, so unser Eindruck auf dem Nachhauseweg, irgendwie haben wir Plattenkritiken noch nie sonderlich viel Stellenwert beigemessen, obgleich wir sie oft und gerne gelesen haben. Aber der Gang in den Plattenladen und das direkte Anhören der neuesten Vinylscheiben war und ist uns einfach lieber.

Und doch: irgendwie schleicht sich da gerade ein neuer Aspekt in unseren Gedankengang. Leben wir nicht in Zeiten, in denen Schallplattenläden immer seltener werden und Mensch seine Musik immer öfters aus dem Internet bezieht? Und war es in Tübingen nicht schon immer schwierig, eine verlässliche Schallplattenquelle zu finden? Und auch die Fahrt nach Stuttgart wird dank stetig steigender Sprit- bzw. Bahnkosten immer teurer. Weshalb auch wir schon längst unsere Platten immer öfters per Mailorder bzw. bei einem guten Freund in Karlsruhe bestellen. Angehört wird dann eben im Internet, es gibt schließlich genug Websites, auf denen man sich diverse Neuheiten anhören kann.

Womit wir auch schon beim nächsten Problem wären: auf Grund der Vielzahl an unterschiedlichen Websites und auf Grund des immensen Angebots manch einer Seite fühlt man sich regelrecht erschlagen. Wer kann bei einer solchen Veröffentlichungsflut noch den Überblick behalten? Wo bleiben die geliebten Tipps des Plattendealer unseres Vertrauens? Angesichts solcher Fragen, ergeben zu Beginn genannte Plattenkritiken plötzlich einen Sinn, geben dezente Hinweise in einem ansonsten undurchschaubaren Gebilde.

Und um zum Ende zu kommen: Nein, wir haben die Jazzthing nicht doch noch gekauft. Aber vielleicht tun wir es ja bereits morgen.


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